Tom – Das Original

Als Luca schliesslich nach Hause schlich, dämmerte bereits der Morgen. Er war nicht nur müde, er ging schon fast im Koma. Umso schwieriger war es für ihn jetzt noch die richtigen Schritte zu tun. Ja, Hull, auch das, dieses Nachhausestolpern, auch das ist Gegenwart, aber irgendwie nicht so, wie ich’s gern hätte. Gegenwart mit Einwand … Weiterlesen Tom – Das Original

Die Alten

Luca war gespannt auf die Begegnung mit dem Alten. Zehn Jahre sind eine Menge. Da kann Vertrautheit verloren gehen. Die Zeiten als man sich beinahe täglich traf, lagen noch einiges weiter zurück. Für ihn war der Alte wie ein Vater gewesen, einer der immer ein offenes Ohr hatte und von dem er eine Menge gelernt … Weiterlesen Die Alten

Der Skeptiker am Strand von Camogli

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Er stand allein im groben Kies von Camogli. In einer Nacht im Februar, in horizontloser Dunkelheit. Natürlich war es kühl und doch war da eine Illusion von salztrunkener Wärme. So blieb er eine Weile stehen, fragte sich wie so oft, ob er das Richtige tat. Sehen konnte man beinahe nichts. Doch er hörte das Meer unablässig gegen das Ufer arbeiten. Helles Rauschen und dumpfes Steine Rollen wechselten sich immer wieder ab. Derweil fühlte er sich ein wenig schutzlos und doch auf eine seltsame Art geborgen; das kam ihm absurd vor. Er fühlte sich selbst als absurdes Wesen. Ihm war es, als sei er in den dunklen Magen eines gigantischen Tiers hinabgestiegen, vor sich nur noch tosende Verdauungssäfte.

Night – light – waves 1

Night – light – waves 2

Night – light – waves 3

Aber die Augen gewöhnten sich an die Nacht. Keine Sterne, kein Mond, keine Positionslichter von…

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Kein Klo im Klub

In der Halle tanzten wohl an die fünfhundert Leute ausgelassen zum angesagten Clubsound der Saison. Es klang wie das eintönige Mahlen eines Betonmischers, dem rhythmisches Stampfen mehrerer Automobilroboter unterlegt worden ist. Hier im fahlgrauen Scheinwerferlicht fühlte sich Fletcher wieder sicher. Das einzige, was er in diesem Club wirklich vermisste, war eine Bar, um sich einige … Weiterlesen Kein Klo im Klub

Telephon

Das sanfte Schrullern des Telefons katapultierte Achim aus seinen wunderbaren Tagträumen zurück in die winzige materielle Welt. So musste sich Luzifer beim Fall aus dem Himmel gefühlt haben. Unvermittelt sah er vor sich einen schmierigen Zettel liegen, worauf in krakeliger Schrift zu lesen war: Der Saitenmagier.  Eine Art Biographie über einen dens wirklich gab, aber … Weiterlesen Telephon

Transzendenz der Melancholie

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Tauchen ist ein Sport in Schwerelosigkeit. Aber Abtauchen in ungeahnte Tiefen, in empfindliche Dunkelheit, in eine Welt der dreifachen Schwerkraft, ist etwas ganz anderes.

In dieser Tiefe stellen sich neue Fragen: Wie habe ich das bisher nur alles ausgehalten, das schreiende Licht, die zügellosen, grellen Geräusche, die Schnelllebigkeit, die flachen Witze, der öde Smalltalk, all das Makeup und falsche Lachen? Sicher diese Aufzählung gelingt auch beim Schnorcheln an der Oberfläche. Aber die absurde Störung der eignen Existenz durch den Normalbetrieb der Welt wird einem erst dann bewusst, wenn einem dieser Betrieb nicht mehr erreicht.

Man ahnt zwar, am tristen Meeresgrund kann man mangels Sauerstoff nicht zu lange bleiben. Doch die Vorstellung, einfach wieder aufzutauchen, wider diese unerbittliche Schwerkraft, diese Vorstellung lähmt.

Ein wenig Abtauchen – wieder auftauchen.

Ein normaler Rhythmus, der unterbrochen wird. Durch ein radikales, viel tieferes Niedersinken. Sich fallen zu lassen, die Kontrolle zu verlieren… Ist das…

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Stelser Zeitreise

Als ich endlich das grosse Scheunentor hinter mir schloss, es war schon später Nachmittag, da empfing mich eine unglaublich frische, ja kalte Bergluft. Ich blinzelte ins Licht und hörte nichts als sanften Wind. Ich liess mich von meinen Schritten leiten. Ein Ziel hatte ich nicht. Noch nicht.  Fog and snow in May, Stels 1 Fog … Weiterlesen Stelser Zeitreise

Stirb schnell

Der Morgen begann vielversprechend. Hull ging wie üblich in die Küche. Eigentlich wollte er nachschauen, was sein Kühlschrank noch hergab, um sich ein kleines Frühstück zu zimmern. Doch schon nach wenigen Schritten blieb er stehen. Irgendwie sah er heute Morgen mehr oder anderes als gewöhnlich, oder was auch immer. Er dachte: Hier sieht's aus, als … Weiterlesen Stirb schnell

Rosa

Wieder war da dieses riesige gleißende Hafenbild, diese geschmacklose Ikone einer mediterran-industriellen Ödnis mit dem ominösen Neonschriftzug CYPRUS. Diesmal wusste ich, wo ich war. Nein, keine Tagträume mehr. Jetzt ging's ums Ganze. Das war mir verdammt klar. Also, keine Schwächen zeigen (In der interpersonalen Abwehr meiner Schwächen bin ich ja ein ausgekochter Meister des Fachs … Weiterlesen Rosa

Bartender’s Blues

Und? Was sagst du zu meinen neuen Sachen? Hast ja einiges geschrieben in letzter Zeit... Naja, teils teils. Wie, teils teils? Was ist daran nicht gut, Victor, sag’s mir. Du bist schließlich mein Probepublikum und ich will offene, ehrliche Kritik hören. Was ich alles so bin... Victor legte das Manuskript in Gestalt eines iPhones zurück … Weiterlesen Bartender’s Blues

Das achteckige Klavier

Achim Tröndmeier sitzt an seinem schmucken Jugendstilschreibtisch und lässt den Griffel locker übers Papier laufen. Ihm gelingt vieles in letzter Zeit, was eine relativ neue Erfahrung für ihn ist. Sein Werk, ein Roman über die Emigration des begnadeten Klavierbauers Frederick Mathushek nach New York im Jahre 1849, steht unmittelbar vor der Vollendung. 947 Seiten intensivster … Weiterlesen Das achteckige Klavier

Sex? Nein! Vielleicht! Okay!

Du schaffst das Tom. Hm. Sei doch froh, dass du die Lektorin, diese, wie heisst sie nochmal? – Rosa? ... äh, mit ihrer penetranten Realismusforderung los bist. Jetzt kannst du dich wieder frei entfalten. Lass deine Fantasie fliegen, lass die Texte tanzen. Hm. Bea ließ ihre Beine, die in bordeauxroten Baumwollstrumpfhosen steckten, baumelnd vor- und … Weiterlesen Sex? Nein! Vielleicht! Okay!

Hulls Schlüssel

Hull öffnete die Tür und trat nach langer Zeit wieder in sein Labor. Er schnüffelte kurz und dachte: Ich muss hier mal lüften. Dann inspizierte er die Dinge, die in seinem Labor geduldig auf ihn warteten. Die Transportpalette mit den 40'000 Kartenspielen. Alle neu, ungebraucht. Man weiss ja nie. Kartentricks einzuüben verschleisst schliesslich die Karten … Weiterlesen Hulls Schlüssel

Apocalypse jetzt

Hull sass im Gartencafé mit Blümchentischtüchern auf den runden Tischchen. Er schlürfte einen Espresso. Schmeckt ganz nach Segafredo, dachte er, dabei war's ein illy. Das schmächtige Männchen kam direkt auf ihn zu gerannt, sprang die breite Holztreppe zur Veranda hoch und schrie: Stopp! Stopp! Tom!?... Stopp! Hull, Stopp! Tom??? Was Stopp? Du lebst?! Sofort aufhören. … Weiterlesen Apocalypse jetzt

Slave of play – Das Wesen der Dinge

Schmitz brauchte sich kein Pokerface auf eine Grimasse draufzusetzen. Die reglosen Züge waren seine zweite Natur. Sobald er im Job war – und er war circa zwanzig Stunden am Tag im Job – zeigte sein Gesicht keinerlei Regung. Hull bemerkte das schon beim ersten Treffen. Heute machte er ihm das fällige Kompliment. Übrigens, Herr Schmitz, … Weiterlesen Slave of play – Das Wesen der Dinge

Dr. Jekyll and Mrs. Hyde

Jaaaaaaaaaaaaaa! Regina Engelhardt atmete schwer. Ihre Augen irrten umher, streiften die artigen Vernissagebesucher Blitze werfend. Endlich war es soweit. Hier ist es! Schaut es euch an! Schaut es euch gut an! Das seid ihr! Ihr seid das! rief sie den zunehmend irritierten Leuten entgegen. Sie riss den Vorhang einen unartikulierten Schrei ausstossend herunter. Die Galeriebesitzerin, … Weiterlesen Dr. Jekyll and Mrs. Hyde

Der grosse Schwarze mit dem blonden Schuh

Vor allem zu Beginn meinten wohl manche Besucher in Hulls Labor eine bizarre Hybris der Protagonisten entdeckt zu haben. Sozusagen grössenwahnsinnige Welterklärungsversuche Halbgebildeter. Weit gefehlt, Luca, nicht wahr? Jaha. Ich staune auch, wie leicht man missverstanden werden kann. Darum schreiben wohl immer mehr Leute, wenn sie nicht gleich mit der Tür ins Haus krachen aber … Weiterlesen Der grosse Schwarze mit dem blonden Schuh

Sie wissen schon, was sie tun

Kann ich... für eine Weile, ähm, bei dir Unterschlupf finden? Die Frage war direkt, sehr direkt. Luca musterte den alten hageren Mann, erkannte ihn auch sofort wieder. Hull, ja, ähm, wie soll ich sagen... Ja oder nein, ganz einfach. Ich weiss einen Knastbruder nimmt niemand gerne auf. Ich muss mich erst um eine Loge bemühen, … Weiterlesen Sie wissen schon, was sie tun

Im Zwielicht

Quirin setzte sich an den Tisch auf der Terrasse direkt gegenüber dem älteren Herrn, der ihn aus tief stehenden, müden Augen musterte und einen Kaffee rührte. Er dachte: Das hier ist er nun. Also. Der alte Mann schien ihn erwartet zu haben, denn er sagte nach einer knappen Begrüssung: Gut, dass Sie Zeit für mich … Weiterlesen Im Zwielicht

Intermezzo

"E mentre il mondo cade a pezziIo compongo nuovi spazi e desideri cheAppartengono anche a teChe da sempre sei per me l'essenziale" (Marco Mengoni) Vier Zeilen – und alles ist gesagt. Quattro righe - e tutto è detto. Detto fatto. Ciao.