Alles wird gut, wir brauchen keinen Zufall

Die Maschine, so haben wir es genannt, was genau ist mit diesem Bild gemeint? Hull wollte schon zu dozieren beginnen, aber dann schlurfte er nochmals durch seine Werkstatt, sein Blick schien etwas zu suchen und er seine Zuversicht zu verlieren.

Da lagen Würfel auf dem Tisch, daneben ein Laptop und eine ziemlich teure Filmkamera. Ein Set Spielkarten, Notizpapier und Schreibwerkzeug, eine Lesebrille, ein Vogelkundebuch. Es war offensichtlich, womit Hull sich zurzeit beschäftigte. Es war der Zufall. Der Zufall war das Einfallstor zum Verständnis der Welt, das war ihm so klar wie ein gut beherrschter Kartentrick. Und er versuchte dieses Innerste dingfest zu machen. Schliesslich geschah alles, was überhaupt geschah, entweder aus Notwendigkeit oder eben aus Zufall. Soweit der kleinste gemeinsame Nenner. Gewiss, es gab jene kühnen Geister, die den Zufall von vornherein gänzlich ausschlossen und dafür gute Gründe vorbrachten. Doch Hull wollte diese Hypothese sozusagen empirisch aus dem Gewusel der Welt herausdestillieren.

Seinen hochauflösenden Zeitlupen fallender Würfel versuchte Hull mit endlosen Algorithmen beizukommen. Bis er ES eines Tages einfach sah und er hörte sofort auf zu rechnen. Wenn man diese Zeitlupen nämlich mit dem richtigen Blick fixierte, so wurde auf einmal alles durchsichtig wie eine Röntgenaufnahme. Zufall, meine Damen und Herren, ist nur eine faule Ausrede, weil man nicht so genau hinsehen möchte.

Das war einleuchtend. Doch die Konsequenzen lagen Hull ein bisschen auf dem Magen. Wenn folglich alles nur gesetzmässig geschieht, so ist auch alles schon fertig berechnet, sozusagen absolut determiniert. Schwupps, und weg ist die Freiheit. Freiheit des Willens, des Handelns, was immer Sie wollen. Alles nur eine grosse Illusion. Oder sollte man besser sagen, eine riesige Verarschung? Einerlei. Aus der Nummer gab es anscheinend kein Zurück.

Irgendwo hatte er mal gelesen, dass die Menschen, so sie denn mit solchen Erkenntnissen der Neurowissenschaften vertraut geworden seien, dass sie dann eben nur noch herumsitzen würden, weil sie dann wüssten, sie haben kein Selbst, kein Ich, keine bewussten Entscheidungen, keine Willensfreiheit, ja nicht einmal mehr ab und an ein nettes zufälliges Entrinnen aus der totalen Determination. In so einem Fall tut man doch gar nichts mehr und wartet nur auf sein Ende, oder?

Hm, und weil genau diese Konsequenz nicht sein kann und wohl nie so sein wird, geht das Rätseln weiter.

Ein Kommentar zu „Alles wird gut, wir brauchen keinen Zufall

  1. Hallo Hull,
    deine Gedanken sind spannend und vieles davon flog auch schon mal in meinem Denkapparillo ein.
    Zu der Frage : . In so einem Fall tut man doch gar nichts mehr und wartet nur auf sein Ende, oder? Ist mein Lebensgefühl Neugier: Es ist doch schon spannend, neugierig darauf zu sein, welches Ereiegnis, welches Gefühl und welche Gedanken in Kürze in mich und mein Leben einfliegen – schon diese Neugier hält das Leben lebendig , finde ich.
    Darauf einfach nur gespannt zu sein und zu beobachten, was es in mir denkt, finde ich schon interessant genug , um morgens aus meinem Bett aufzustehen und ein neues Kapitel meiner Lebensgeschichte zu durchschreiten und vielleicht ein neues Kapitel für das, was hier geschrieben werden will , zu empfangen.
    Alles Gute für dein Sonntags-Lebens-Kapitel heute wünscht dir
    Miriam 😉

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