La dolce dopamina

Hull hantierte an seiner Espressomaschine, als… –

Moment, sollen wir diese Szene denn nicht etwas ausführlicher, ähm, ausmalen? Warum nicht:

Hull streichelte gedankenverloren seine auf Hochglanz polierte Espressomaschine, eine kleine leistungsstarke Quickmill Carola Evo. Sein Lächeln verriet die Vorfreude auf den exquisiten Trunk, den er sich jeden Morgen gönnte. Durchaus gekonnt, wie ein Barista, spülte er den Kolben noch einmal mit heissem Wasser durch, trocknete diesen nicht einfach mit irgendeinem Lappen, neinnein, schön behutsam und geduldig mit dem fein gestutzten Espressopinsel. Anschliessend liess er den Kolben mit einem erlesenen italienischen Kaffee, direkt importiert aus Como, füllen. Hull war zwar kein Freund lärmiger Maschinen, aber der ohrenbetäubende Krach seiner Rocket Espresso Mühle signalisierte seinen Synapsen auf eine unnachahmlich direkte und unmissverständliche Weise, dass bald der dringend benötigte Dopaminnachschub anrollen würde. Dieser physiologische Vorgang alleine war ihm – verständlicherweise – schon ein ungemein berauschendes Vergnügen. Und dann erst dieser Geruch frisch gemahlenen Kaffees, der Akt des Pressens mit dem gut in der Hand liegenden Tamper auf der Andrückstation – diese überaus sinnlichen Momente waren es, die dem Leben doch wesentlich mehr Tiefgang zu vermitteln vermochten, als sich das ein gewöhnlicher Filter- oder Vollautomatkaffeekonsument überhaupt je vorzustellen…

Nochmals: Moment.

Wie glaubwürdig ist das denn? Da wird doch auf allen Kanälen immer betont, wie knapp das Geld in Hulls Klitsche ist und dann wird hier so ein Luxus zelebriert?

Nun, tatsächlich ist die Welt ein Mitleid erregender Ort voller nagender Widersprüche. Damit müssen wir uns wohl fürs Erste abfinden. Aber können wir jetzt bitte zurück zur… ja, zur Handlung. Unser kleines Drehbuch bietet leider keinen Platz für derart epische Ausschweifungen, die gewiss, unter anderen Umständen, auch ihren Reiz hätten…

Okay:

Hull hatte kaum den ersten Schluck seines exquisiten Kaffees genommen, da klingelte es an der Haustür.

Luca, komm herein.

Ja, hallo, Hull.

Du glaubst nicht, was ich diese Nacht Schreckliches geträumt habe.

Was denn…?

Mir träumte, meine Espressomaschine sei kaputt und ich müsste auf Filterkaffee umsteigen.

Ja, das wäre wohl ein Problem für dich. Hm, ich habe auch etwas Seltsames geträumt. Ach, du hast Recht. Das Subjekt meiner Träume, das bin ja gar nicht ich. Also: Auch mir träumte es seltsam sonderbar.

Was denn?

Also, es war Nacht und ich weiss noch, wie mir dachte: Ein dunkler Orbit des Scheiterns. Ist das nicht merkwürdig Hull?

Wieso?

Na, diese Formulierung. Woher kommt so was.

Aus deinen verstiegenen Hirnzellen im Sprachzentrum, die ihren Ballast verkehrt herum gespeichert haben, woher sonst. Und dann?

Ja, dann. Dann kam ein Meteorit geflogen. Der hatte ein Etikett auf. Darauf stand: neues Projekt! Mit Ausrufezeichen.

Neues Projekt? Mehr nicht?

Nein.

Gut, das Etikett beweist immerhin, dass die Sache echt ist. Weiter, Luca.

Ja, jetzt kommt’s. Der Meteorit fing an zu glühen wie ein Kohleofen. Und dann, äh, dann bin ich auf diesen glühenden Stein aufgesprungen.

Was? Das ist ja der reine Wahnsinn.

Kannst du laut sagen. Ich bin auch sofort aufgewacht. Ich dachte erst, ich hätte mich verbrannt an dem Zeug.

Nun, da bist du gerade nochmal davongekommen. – Willst du auch einen Kaffee?

Gerne. Also nicht kaputt, deine Maschine. Klar nicht, blöde Frage…

Ja. Ein böser Traum nur.

Hull…

Ja.

Ähm, ich glaube, ich muss dir etwas Unangenehmes…

Hm, lass mich raten. Es hat mit Lisa zu tun.

Luca liess vor Schreck seine Tasse fallen. Woher weisst du…?

Ich bin Magier, Luca.

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