Telephon

Das sanfte Schrullern des Telefons katapultierte Achim aus seinen wunderbaren Tagträumen zurück in die winzige materielle Welt. So musste sich Luzifer beim Fall aus dem Himmel gefühlt haben. Unvermittelt sah er vor sich einen schmierigen Zettel liegen, worauf in krakeliger Schrift zu lesen war:

Der Saitenmagier. 

Eine Art Biographie über einen dens wirklich gab, aber kaum einer kennt. (Hehe, das ist der Trick.) 

Hm, nehmen wir mals den Mathushek. Ja, geiler Name. Wikipedia ist wirklich doll. Und was haben wir denn da:? heiliger Akkord. Mathushek-Hammerklavier in Form eines achteckgen Teetischs! Wenn das mal nicht total abgefahrn ist! Irgendwie wird das der hit. 

Achim! Jetzt. Ein Plot. Nun hab ich Hammer und Klavier, fehlt noch der Plot. Es wird mir doch ein Plot einfallen? Um Himmels Willen, es muss doch auch mir armen Armin mal ein kleiner Plot vor die Füße fallen. Ist das denn zuviel verlangt? Acht Ecken. Hm, doch, doch, daraus wird was.

Materie, das sind nur vier Prozent, hab ich irgendwo gelesen… Vier mal acht, nee…, acht durch vier, hm, ja, vielleicht geht das ab.

Das Telefon gab keine Ruhe. Achim hob zaghaft den Hörer. Jaaa?

Dirk, hallo Achim. Du denkst doch an die Knete, ne?

Äh. Jaja, klar doch. Nur, du. Ähm, ich glaub‘, ich hab‘ die grad nicht.

Dirk Hunderteimer schnaubte hörbar am andern Ende der Leitung.

Dirk, ich weiß, was ich dir schulde. Glaub‘ mir, ich bring die Kohle noch ins Trockne! Ich schreib‘ ja auch wieder ab und an für die Lokalzeitung. Aber’n’bisschen mehr Zeit musst du mir … äh, einräumsen.

Achim, was soll das werden! Ich brauch das Geld. Und zwar wie vereinbart am Freitag, verdammt. Zwei tausend Euro sind kein Pappenstiel. Hörst du? Du bringst mir dann die Kohle, sonst gibt’s mächtig Ärger.

Jaja, sicher, Dirk. Doch der hatte schon aufgelegt.

Da waren sie wieder, die blöden vier Prozent. Warum kann man nicht mal einfach eine schöne zeitlang herumhängen im Off der eignen Denkungsart?

Aber dieser peinliche Zettel hier? Der muss erstmal weg. Den verbrenn‘ ich gleich. Wie kann man so was schreiben? In welchem Zustand geistiger Wirrnis dies wohl geschehen ist? Und Dirk. Warum musste der auch so penetrant sein? Dirk Hunderteimer – wäre doch ein schöner Verlegername…gewesen. Aber Mathushek, Mathushek das hat was. Der ist doch real. Allein schon die Schreibweise, diese Schreiheibweiheise, das ist Hammerklaviermusik!

Wenn mir nur endlich ein Plot zu diesem wunderschönen Namen einfallen würde. Eine Story, wo’s kracht und scheppert und die Leute stünden Schlange, um von mir ein signiertes Exemplar…

Lachen erfüllt den Raum. Achim hört sich lachen und er lacht tatsächlich. Gleichzeitig. Und seine Synapsen oszillieren in irrem Tempo zwischen diesen beiden mentalen Zuständen hin und her bis…, ja, bis ihm das Lachen wieder vergeht.

Und dann bleibt nicht viel. Vier Prozent.

Ja, das Universum hat seinen ganzen Leuchtzauber nur geborgt. Die Schulden der Dunkelheit, sie wiegen schwerst und drohen alles zu zerschmettern.

2 Kommentare zu „Telephon

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