Million Dollar Barbie

Ottokar Schlotterbeck sass an seinem Schreibtisch und sinnierte vor sich her. Versuchte zumindest die wirren Gedanken in seinem Kopf zu ordnen. Nun sein Schreibtisch war zugleich auch Küchentisch und Esstisch – sein Tisch für alle Fälle. Wir müssen uns Schlotterbeck leider als verarmten Schriftsteller vorstellen, der sein täglich Brötchen mühsam mit lokaljournalistischem Kleinkram verdiente. Und der doch immer noch, nach all den Jahren des Misserfolgs, vom grossen Durchbruch träumte. Aus unerklärlichen Gründen hatte er sich in den Kopf gesetzt, die alles erklärende Hull-Biografie zu schreiben. Eine die der Welt die Augen öffnen würde, wenn sie denn welche hat.

Doch sein Held, dieser Hull, blieb ihm leider ein Rätsel, schlimmer noch, ein Phantom. Die Daten, die er bis hierher über das Phantom gesammelt hatte, waren dürr, ohne Leben. Wir wissen bereits, dass Schlotterbeck deshalb Toms Erlebnisschatz anzapfen wollte. Jener Tom, dem eine lange Bekanntschaft mit Hull nachgesagt wurde.

Schlotterbeck kaute auf seinem Bleistift. Hm, wenn ich Tom ein Honorar geben könnte, vielleicht wäre dann die Sache ergiebiger? Doch den Gedanken schob er gleich weit von sich. Denn da war kein Geld.

Auf einmal schrullerte sein Telephon. Schlotterbeck.

Luca. Hallo Herr Schlotterbeck. Ich äh…

Hallo. Kennen wir uns?

Ähm, kann sein, kann aber auch äh…

Ja, was kann ich für Sie tun, Luca.

Tun, ja. Ich, äh, habe gehört, wissen Sie, man hört ja so allerhand, ähm, dass Sie versuchen mit Tom ins Geschäft zu kommen.

Was? Wer sagt so was. Und was hätte das mit Ihnen…?

Nun, Herr Schlotterbeck. Ich kenne Tom wie kaum sonst einer. Verstehen Sie? Also ich könnte Ihnen eventuell weiterhelfen.

So. Und wie haben Sie sich das vorgestellt?

Ganz einfach. Wir beide treffen uns auf einen Kaffee und ich erzähle Ihnen das, was Sie gerade brauchen.

Was ich gerade brauche?

Klar.

Aha. Und woher wollen Sie wissen, was ich so brauche?

Äh, das finden wir dann gemeinsam heraus, würde ich mal sagen.

Und was wollen Sie von mir – dafür?

Ich denke, das käme drauf an.

Drauf an?

Äh, hören Sie, ich würde mal sagen, Sie wissen schon, wie der Hase läuft.

Schlotterbeck hatte, sagen wir‘s mal deutlich, die Schnauze voll. Voll von all den Krämerseelen, die nur auf Abzocke aus waren.

Und? Wann treffen wir uns?

Luca, vielleicht nie. Schlotterbeck hängte grusslos auf. Er würde doch lieber noch einen letzten Versuch unternehmen, Tom zu interviewen. Das Beste wäre natürlich, Tom würde ihm die sagenumwobenen Notizen Hulls überlassen. Die Tom anscheinend besass. Nur dann hätte Schlotterbeck wohl eine reelle Chance, diese Biografie zu schreiben.

Er kaute weiter an seinem Bleistiftstummel. Wie sollte er vorgehen. Anrufen? Tom galt jenen – wenigen – die ihn zu kennen meinten als Suchender, als etwas verrückter Sinnschnüffler. Doch Schlotterbeck hatte eine andere Meinung. Tom schien ihm entweder ein zynischer Schwindler und Blender zu sein, der sich mit allen Mitteln Zugang zu Hulls Geheimnis verschaffen wollte. Oder ein hilfloser Dummkopf, der nur zufällig nicht als Stümper entlarvt worden ist. Bis jetzt. Vielleicht war Tom aber auch eine bizarre Mischung zwischen einem Blender und einem Dummkopf. Das könnte seinen Misserfolg erklären. Ja, so in etwa. Schlotterbeck lächelte. Schliesslich würde er diesen Tom knacken – mit seinem Verstand, mit seiner Intelligenz.

Und so griff er wieder zum Telephon und wählte Toms Nummer.

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