Kein Klo im Klub

In der Halle tanzten wohl an die fünfhundert Leute ausgelassen zum angesagten Clubsound der Saison. Es klang wie das eintönige Mahlen eines Betonmischers, dem rhythmisches Stampfen mehrerer Automobilroboter unterlegt worden ist. Hier im fahlgrauen Scheinwerferlicht fühlte sich Fletcher wieder sicher. Das einzige, was er in diesem Club wirklich vermisste, war eine Bar, um sich einige … Weiterlesen Kein Klo im Klub

Telephon

Das sanfte Schrullern des Telefons katapultierte Achim aus seinen wunderbaren Tagträumen zurück in die winzige materielle Welt. So musste sich Luzifer beim Fall aus dem Himmel gefühlt haben. Unvermittelt sah er vor sich einen schmierigen Zettel liegen, worauf in krakeliger Schrift zu lesen war: Der Saitenmagier.  Eine Art Biographie über einen dens wirklich gab, aber … Weiterlesen Telephon

Stirb schnell

Der Morgen begann vielversprechend. Hull ging wie üblich in die Küche. Eigentlich wollte er nachschauen, was sein Kühlschrank noch hergab, um sich ein kleines Frühstück zu zimmern. Doch schon nach wenigen Schritten blieb er stehen. Irgendwie sah er heute Morgen mehr oder anderes als gewöhnlich, oder was auch immer. Er dachte: Hier sieht's aus, als … Weiterlesen Stirb schnell

Rosa

Wieder war da dieses riesige gleißende Hafenbild, diese geschmacklose Ikone einer mediterran-industriellen Ödnis mit dem ominösen Neonschriftzug CYPRUS. Diesmal wusste ich, wo ich war. Nein, keine Tagträume mehr. Jetzt ging's ums Ganze. Das war mir verdammt klar. Also, keine Schwächen zeigen (In der interpersonalen Abwehr meiner Schwächen bin ich ja ein ausgekochter Meister des Fachs … Weiterlesen Rosa

Bartender’s Blues

Und? Was sagst du zu meinen neuen Sachen? Hast ja einiges geschrieben in letzter Zeit... Naja, teils teils. Wie, teils teils? Was ist daran nicht gut, Victor, sag’s mir. Du bist schließlich mein Probepublikum und ich will offene, ehrliche Kritik hören. Was ich alles so bin... Victor legte das Manuskript in Gestalt eines iPhones zurück … Weiterlesen Bartender’s Blues

Das achteckige Klavier

Achim Tröndmeier sitzt an seinem schmucken Jugendstilschreibtisch und lässt den Griffel locker übers Papier laufen. Ihm gelingt vieles in letzter Zeit, was eine relativ neue Erfahrung für ihn ist. Sein Werk, ein Roman über die Emigration des begnadeten Klavierbauers Frederick Mathushek nach New York im Jahre 1849, steht unmittelbar vor der Vollendung. 947 Seiten intensivster … Weiterlesen Das achteckige Klavier

Sex? Nein! Vielleicht! Okay!

Du schaffst das Tom. Hm. Sei doch froh, dass du die Lektorin, diese, wie heisst sie nochmal? – Rosa? ... äh, mit ihrer penetranten Realismusforderung los bist. Jetzt kannst du dich wieder frei entfalten. Lass deine Fantasie fliegen, lass die Texte tanzen. Hm. Bea ließ ihre Beine, die in bordeauxroten Baumwollstrumpfhosen steckten, baumelnd vor- und … Weiterlesen Sex? Nein! Vielleicht! Okay!

Hulls Schlüssel

Hull öffnete die Tür und trat nach langer Zeit wieder in sein Labor. Er schnüffelte kurz und dachte: Ich muss hier mal lüften. Dann inspizierte er die Dinge, die in seinem Labor geduldig auf ihn warteten. Die Transportpalette mit den 40'000 Kartenspielen. Alle neu, ungebraucht. Man weiss ja nie. Kartentricks einzuüben verschleisst schliesslich die Karten … Weiterlesen Hulls Schlüssel

Apocalypse jetzt

Hull sass im Gartencafé mit Blümchentischtüchern auf den runden Tischchen. Er schlürfte einen Espresso. Schmeckt ganz nach Segafredo, dachte er, dabei war's ein illy. Das schmächtige Männchen kam direkt auf ihn zu gerannt, sprang die breite Holztreppe zur Veranda hoch und schrie: Stopp! Stopp! Tom!?... Stopp! Hull, Stopp! Tom??? Was Stopp? Du lebst?! Sofort aufhören. … Weiterlesen Apocalypse jetzt

Slave of play – Das Wesen der Dinge

Schmitz brauchte sich kein Pokerface auf eine Grimasse draufzusetzen. Die reglosen Züge waren seine zweite Natur. Sobald er im Job war – und er war circa zwanzig Stunden am Tag im Job – zeigte sein Gesicht keinerlei Regung. Hull bemerkte das schon beim ersten Treffen. Heute machte er ihm das fällige Kompliment. Übrigens, Herr Schmitz, … Weiterlesen Slave of play – Das Wesen der Dinge

Dr. Jekyll and Mrs. Hyde

Jaaaaaaaaaaaaaa! Regina Engelhardt atmete schwer. Ihre Augen irrten umher, streiften die artigen Vernissagebesucher Blitze werfend. Endlich war es soweit. Hier ist es! Schaut es euch an! Schaut es euch gut an! Das seid ihr! Ihr seid das! rief sie den zunehmend irritierten Leuten entgegen. Sie riss den Vorhang einen unartikulierten Schrei ausstossend herunter. Die Galeriebesitzerin, … Weiterlesen Dr. Jekyll and Mrs. Hyde

Der grosse Schwarze mit dem blonden Schuh

Vor allem zu Beginn meinten wohl manche Besucher in Hulls Labor eine bizarre Hybris der Protagonisten entdeckt zu haben. Sozusagen grössenwahnsinnige Welterklärungsversuche Halbgebildeter. Weit gefehlt, Luca, nicht wahr? Jaha. Ich staune auch, wie leicht man missverstanden werden kann. Darum schreiben wohl immer mehr Leute, wenn sie nicht gleich mit der Tür ins Haus krachen aber … Weiterlesen Der grosse Schwarze mit dem blonden Schuh

Sie wissen schon, was sie tun

Kann ich... für eine Weile, ähm, bei dir Unterschlupf finden? Die Frage war direkt, sehr direkt. Luca musterte den alten hageren Mann, erkannte ihn auch sofort wieder. Hull, ja, ähm, wie soll ich sagen... Ja oder nein, ganz einfach. Ich weiss einen Knastbruder nimmt niemand gerne auf. Ich muss mich erst um eine Loge bemühen, … Weiterlesen Sie wissen schon, was sie tun

Im Zwielicht

Quirin setzte sich an den Tisch auf der Terrasse direkt gegenüber dem älteren Herrn, der ihn aus tief stehenden, müden Augen musterte und einen Kaffee rührte. Er dachte: Das hier ist er nun. Also. Der alte Mann schien ihn erwartet zu haben, denn er sagte nach einer knappen Begrüssung: Gut, dass Sie Zeit für mich … Weiterlesen Im Zwielicht

Intermezzo

"E mentre il mondo cade a pezziIo compongo nuovi spazi e desideri cheAppartengono anche a teChe da sempre sei per me l'essenziale" (Marco Mengoni) Vier Zeilen – und alles ist gesagt. Quattro righe - e tutto è detto. Detto fatto. Ciao.

Master and Commander – Bis zum Anfang der Welt

Hull, was machen wir heute Schönes? Lass es uns mal ganz ruhig angehen. Ruhig, okay, Hull. ... Und dann? Lisas hilfloser Blick fiel ins Leere. Es klingelte. Hull schlurfte zur Tür. Lisa hörte Hulls Begrüssungsworte. Tom, schön, dass du vorbei schaust. Hallo Hull. Ich bin auch frisch getestet und so negativ wie ich nur sein … Weiterlesen Master and Commander – Bis zum Anfang der Welt

Dreieinhalb Wünsche

Schau mal, da drüben schlagen sich gerade ein paar Vollpfosten die Köpfe ein. Können wir das erklären? Die einen finden's klasse gegen den Lockdown anzutreten, die andern verurteilen das. Hm. Verstehen wir denn etwas grundlegend falsch...? Ja. Diese Pandemie zeigt doch deutlich, wie der Mensch tatsächlich funktioniert. Er denkt sich zuerst einmal was aus; also … Weiterlesen Dreieinhalb Wünsche

Toter im Spiegel

Hull, wir müssen reden. Hm, ja. So fangen die ernsten Szenen an. Ich meine im Kino, im Film. Beziehungskrisen und so. Wüsste nicht, dass wir solche Probleme hätten. Hull versuchte es mit einem Lachen. Nein, wir sind nicht verheiratet, klar. Aber eine Beziehung – so könnte man das schon nennen. Schliesslich versuche ich den Menschen … Weiterlesen Toter im Spiegel

Letter reader

Hull öffnete den Briefkasten. Die üblichen Rechnungen, Werbung und Bettelbriefe – doch halt, da lag noch ein kleines hellblaues Kuvert, handschriftlich adressiert. Nun, adressiert ist zwar nicht ganz korrekt, denn da stand nur "Für Hull", ohne Absender. Zurück an seinem Küchentisch öffnete er diesen einen Brief und begann zu lesen: Sehr geehrter Herr Hull Ich … Weiterlesen Letter reader

Lunar Orbiter

Noch ein Käffchen? Hm, eigentlich... ...Eigentlich kein Problem. Komm schon, Regina. Luna schob sie sanft in Richtung Caféteria. Regina Engelhardt seufzte. Zeit habe ich eigentlich keine, aber okay, du hast Recht, ein Käffchen gönnen wir uns jetzt trotzdem mal. Ja, Regina, Zeit haben wir eigentlich nie. Gerade deshalb sind Pausen wichtig, nicht wahr? Luna entlockte … Weiterlesen Lunar Orbiter