Transzendenz der Melancholie

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Tauchen ist ein Sport in Schwerelosigkeit. Aber Abtauchen in ungeahnte Tiefen, in empfindliche Dunkelheit, in eine Welt der dreifachen Schwerkraft, ist etwas ganz anderes.

In dieser Tiefe stellen sich neue Fragen: Wie habe ich das bisher nur alles ausgehalten, das schreiende Licht, die zügellosen, grellen Geräusche, die Schnelllebigkeit, die flachen Witze, der öde Smalltalk, all das Makeup und falsche Lachen? Sicher diese Aufzählung gelingt auch beim Schnorcheln an der Oberfläche. Aber die absurde Störung der eignen Existenz durch den Normalbetrieb der Welt wird einem erst dann bewusst, wenn einem dieser Betrieb nicht mehr erreicht.

Man ahnt zwar, am tristen Meeresgrund kann man mangels Sauerstoff nicht zu lange bleiben. Doch die Vorstellung, einfach wieder aufzutauchen, wider diese unerbittliche Schwerkraft, diese Vorstellung lähmt.

Ein wenig Abtauchen – wieder auftauchen.

Ein normaler Rhythmus, der unterbrochen wird. Durch ein radikales, viel tieferes Niedersinken. Sich fallen zu lassen, die Kontrolle zu verlieren… Ist das…

Ursprünglichen Post anzeigen 302 weitere Wörter

12 Kommentare zu „Transzendenz der Melancholie

  1. Wunderschön ist das wieder, lieber Franz!
    Die Fragen, die dir in der Tiefe begegnen, die begegneten mir immer in der Höhe (in den Bergen) …
    Deine schwarzen Gedanken finde ich spannend. Da steckt etwas Neues für mich drin.
    Liebe Grüße an dich!

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    1. Herzlichen Dank, Stefan. Die Tiefe, das Abtauchen, etc. sind ein Spiel mit Metaphern.

      In den Bergen habe ich etwas andere Gedanken. Gefühle von Freiheit, Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit angesichts der Grösse der Natur und in enormer Höhe – 3660 Meter war mein „Rekord“ – startet der Glücksmotor: Euphorie und Höhenrausch und – nein, keine Fragen mehr.
      LG Tom

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      1. Ich fühle mich dort auch zu Hause. Vielleicht kann man das aus meinem Beitrag über die Zeit in Stels herauslesen. Einsamkeit ist für mich ein grundlegendes Lebensgefühl. Nichts Negatives. Ich sehe viele Probleme unserer Zeit eher in Zusammenhang mit der Vermeidung von Einsamkeit.

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  2. Mir geht es ähnlich ganz oben in Sapmi, mitten im Wald. Da tut die Geräuschlosigkeit in den Ohren weh. Einige Tage ist die Stille fast nicht auszuhalten. Ach ja, es gibt auch kein Internet. Langsam gewöhnt man sich an die Stille, die keine absolute Stille ist: da gibt es das Rauschen des Windes über die Landschaft, das Plätschern des Wassers, das Knacken von Zweigen. Und langsam kommt man auch dort ins Sinken, was eher Aufgehen ist in die Landschaft.

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    1. Ich mag diese Rückzüge in einsame Klausen inmitten der Natur. Stille ist ein Geschenk. Allerdings, hm, ohne Internet? Da tue ich mich ehrlich gesagt schwer.
      Schöne Grüsse aus Weinfelden, Franz alias Tom

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