Breakfast for one

Hull sass ganz entspannt in seinem alten Lehnstuhl, den er von der Mutter seines Schwiegervaters geerbt hatte, und schaute sich vergnügt die Szene an, wie drei seiner Androiden wacker ans Werk gingen und seinen Frühstückstisch abräumten. Gut, normalerweise wäre das nicht der Rede wert gewesen, aber wir sollten doch in Betracht ziehen, dass Hulls Androiden im Gegensatz zur handelsüblichen Ware nur wenige Zentimeter gross waren. Insofern gestaltete sich das Abräumen nur schon eines einzigen Tellers als ein veritabler Kraftakt, wozu jeweils zwei der fleissigen Kerlchen benötigt wurde.

Diese Kleinheit seiner Kreaturen konnte man Hull schon, wie soll ich sagen, vorwerfen? Nein, das trifft’s nicht. Aber man konnte sich schon fragen, warum er denn auf solche Miniandroiden setzte. Wollte er damit etwa implizit zum Ausdruck bringen, wie schwach und bedeutungslos letztlich der Mensch sei, der diesen edlen Zwergen doch immerhin als schäbige Vorlage diente? Nun, wir können den wahren Grund jetzt wohl nicht wirklich erkennen. Spekulieren kann man ja immer, tja, und damit entsteht jeweils auch schöner, breiter Raum für Irrtümer, Fake News und Schlimmeres. Wie wir leider wissen. Deshalb lassen wir das Spekulieren und wenden uns gleich den beinharten Fakten zu.

Wozu auch die Tatsache gehört, dass Hull an diesem wunderschönen Morgen dachte: Eigentlich sind Androiden irgendwie die Krone der Schöpfung – geworden. Jedenfalls ist der Umgang mit ihnen doch äusserst angenehm. Sie meckern nicht, haben keine Lohnforderungen und den Begriff Streik kennen sie nur aus der misslichen und missgünstigen Welt der Menschen. Wie viel angenehmer wäre das Leben, wenn zum Beispiel Tom ein netter, freundlicher und zuvorkommendster Androide wäre…

Man hätte Tom richtig gutes Schreiben beibringen können. Er hätte, als Androide, sicherlich die schönsten Elogen und besten Plots für Krimis zustande gebracht. Ohne Zweifel! Es wäre ein Vergnügen gewesen, nach seiner Pfeife… also nach seiner Regie zu handeln. Stattdessen, wie Sie als leidgeprüfter Stammleser der tomschen Werke sicher bestätigen können, kamen all die bisherigen Versuche, den unsinnigen Drehbüchern Toms zu folgen, einer Höllenfahrt gleich, wie sie sich nur Zyniker vom Schlage eines Hieronymus Bosch ausmalen können.

Tom, seufzte Hull. Tom ist das Ende und der Anfang aller Müh und Plage, allen Ungeschicks und Misserfolgs. Es war kaum auszuhalten, täglich mitansehen zu müssen, in welchem Ausmass Tom die Pleite in Hulls Labor vorantrieb. Ich meine, wir sprechen von Hulls Labor. Einem Unternehmen, dessen Erfolg Millionen da draussen entgegenfieb…

Da wurde Hull auf einmal durch das Schrullern seines Telephons recht unsanft in seiner erhabenen Meditation gestört. Nein, Hull hatte kein Handy, neinnein, er gehörte zur aussterbenden Spezies jener, die noch einen Festnetzanschluss ihr eigen nannten. Seine Kommunikation hing also an einem veritablen Kabel fest, was den nicht unerheblichen Vorteil hatte, dass nie im dümmsten Moment der Akku leer war. Weil da ja gar kein Akku drin ist. Schwer vorstellbar, ich weiss. Aber irgendwie war das auch praktisch, damals als Telephone einfach noch funktionierten, jahrzehntelang, ohne Akkuwechsel, Softwareupdates, etc. Und TV war noch TV, nicht so eine hybride Mischung zeitverzögerter Signale auf irgendwelchen Displays, die genau dann den Dienst versagten, wenn die eigne Mannschaft gerade im Begriff war, ein Tor zu erzielen, wie einem ein Blick aufs Handy längst schon verraten hat, weil jener Dienst weniger zeitverzögert… Sie wissen schon, Sie kennen das ja.

Ich höre.

Hull. Alles gut bei dir?

Tom. Hallo.

Ja, dann… also was ich fragen wollte.

Ja?

Also, nur wenn es grad passt.

Nun sag schon.

Weisst du. Ich, also… ich, ähm, könnte ich vielleicht auch so einen Cocktail bekommen…?

Hm, seit wann mache ich Caipirinha? Das müsste ich wissen.

Nein, Hull, das nicht. Nicht Caipirinha.

Sondern?

Hm, ich weiss nicht, ja ist jetzt ein bisschen peinlich, ich weiss gar nicht, wie man dem sagt.

Nein, nein, peinlich ist das – nicht…

Also…

Also?

Ich meine diese, diese Injektion, dieses Zeugs, das dich älter, quatsch, jünger werden lässt.

Ach so.

Ja, geht das? Ich meine…

Tom, hast du ne Ahnung, was das kostet?

Kostet? Okay. Ich hab noch ne Kreditkarte, geht schon.

Gut, dann machen wir halt einen Termin.

Termin? Ich steh schon vor der Tür! Wir können gleich loslegen!

Die Haustür krachte auf und Tom stürmte in die gute Stube.

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